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Publikation

Sozialpolitische Entwicklungen – Teil: Arbeitsschutz (1961-1971 in der DDR)

Der Bau der Mauer im August 1961 trug wesentlich dazu bei, dass die DDR in eine Phase der Konsolidierung eintrat. Die Bevölkerung ließ sich notgedrungen mehr und mehr auf die gegebenen Verhältnisse ein. Der Lebensstandard stieg, gleichwohl wurde der Abstand zum Westen größer. Die Partei- und Staatsführung versuchte, die Menschen politisch zu integrieren und ökonomisch zu mobilisieren. Frauen und Jugendliche wurden neben den traditionellen Produktionsarbeitern für eine stärkere berufliche Qualifikation umworben. Ein „Neues Ökonomisches System der Planung und Leitung (NÖS)“ sollte l963 die DDR im wissenschaftlichtechnischen Bereich an die Bundesrepublik und damit an die Weltstandards heranführen. „Rentabilität“ und Wettbewerbskriterien sollten die Produktivität und damit das Wachstum der Wirtschaft steigern, allerdings ohne die Herrschaft der Partei in Frage zu stellen. Sozialpolitik wurde zur sozialistischen Sozialpolitik, die sich am NÖS orientierte. Arbeits- und Gesundheitsschutz, Leistungsanreize und das Abfedern von Folgen der wirtschaftlichen Neuorientierung rückten in den Vordergrund. Investitionen hatten Vorrang vor der Steigerung des Konsums, sollten aber auch die Grundlage für später steigenden Lebensstandard bilden. Wegen deutlicher Dezentralisierungstendenzen und Disproportionen in der Wirtschaftsentwicklung wurde das NÖS bereits im Jahre 1970 weitgehend zurückgenommen.

Autor:Lutz Wienhold
Bibliographie:In: Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesarchiv (Hrsg.): Geschichte der Sozialpolitik in Deutschland seit 1945. Band 9: Deutsche Demokratische Republik 1961–1971. Politische Stabilisierung und wirtschaftliche Mobilisierung. Bandherausgeber: Kleßmann, Christoph. Baden-Baden: Nomos, 2006, S. 187–224. – ISBN 3-7890-7329-6


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