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Publikation

In den Jahren 1970 bis 1989 leidet der Arbeitsschutz unter dem wirtschaftlichen Zerfall. Der Arbeitsschutz der DDR in der Ära Honecker.

Das Vorschriftenwerk zum Arbeitsschutz wurde weiter ausgestaltet und enthielt mit dem Arbeitsgesetzbuch von 1977 bedeutsame Generalklauseln. Die klassischen Arbeitsschutzanordnungen, die aus den UVVen der Berufsgenossenschaften hervorgegangen waren, wurden schrittweise in Standards (TGL) überführt und in einem Klassifizierungssystem geordnet. Selbstständige Linien im Vorschriftenwerk des Arbeitsschutzes entwickelte das Gesundheitswesen.

Neue Vorschriften wurden für den Einsatz von Sicherheitsinspektoren (1977) und auch von Betriebsärzten (1978) geschaffen. Ausgebaut wurden die arbeitsmedizinischen Einstellungs- und Überwachungsuntersuchungen und die Arbeitshygienische Komplexanalyse zur Ermittlung und Bewertung von Gesundheitsgefährdungen. Ergänzend zu den staatlichen Betriebsärzten entstanden zunehmend arbeitshygienische Zentren zu ihrer Unterstützung.

Beim Arbeitsschutz zeigte sich mit der Übernahme der Macht durch Erich Honecker, dass er nur noch einen nachgeordneten Stellenwert in der Politik hatte. Potenziell wäre durch die Betonung der Sozialpolitik durch Honecker eine eher stärkere Beachtung des Arbeitsschutzes zu erwarten. Aber in zentralen Beschlüssen der Partei wurde er immer weniger konkret thematisiert und angesprochen. Da Beschlüsse der SED aber allgemeine Richtschnur für die Aktivitäten auf den unterschiedlichsten Ebenen waren, war dies für die Umsetzung nicht förderlich. Der Arbeitsschutz wird zunehmend ideologisiert.

Reaktive Arbeitsschutzpolitik tritt an die Stelle gestaltender Politik. Es gibt eine gezielte Desinformation zu Arbeitsschutzproblemen.

Erörtert werden drei Legenden dieser Zeit.

Autor:Lutz Wienhold
Bibliographie:In: Sicherheitsingenieur. 43 (2012), Nr. 5, S. 14-27.


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