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Publikation

„Schutzgüte“ als Qualitätsmerkmal der Arbeitsbedingungen und „Wissenschaftliche Arbeitsorganisation“. Gestaltungskonzepte zur Arbeitssicherheit in der DDR.

Das Prinzip der „Schutzgüte“ kam in der DDR in den 1950er Jahren auf. Hier lagen die Anfänge eines verbindlich geregelten vorgreifenden Gefahrenschutzes durch Arbeitsschutzforderungen an den Hersteller und Importeur von Maschinen. Bereits 1956 konzipierte Erhard Möhler ein Gütesystem der verschiedenen Qualitätsmerkmale von Maschinen mit Integration der Schutzgüte und entwickelte Gestaltungsprinzipien, die sichere Erzeugnisse ermöglichen sollten. Die besondere Leistung waren Überlegungen, Sicherheit nicht als etwas Zusätzliches zu verstehen, sondern als integrativen Bestandteil einer Maschine.

Schutzgüte wird 1977 erweitert auf Arbeitsverfahren und Arbeitsstätten. Schutzgüte sollte der Teil der Qualität der Arbeitsmittel, Arbeitsverfahren und Arbeitsstätten sein, der sich auf deren sichere und erschwernisfreie Gestaltung bezieht, die in Erfüllung der in Rechtsvorschriften und betrieblichen Regelungen festgelegten technischen und technologischen Forderungen ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen oder durch sicherheitstechnische Mittel mit möglichst umfassender und zwangsläufiger Wirkung erreicht wird. Schutzgüte sollte in „allen Phasen des Reproduktionsprozesses“, angefangen von der Forschung und Entwicklung, über die Herstellung, Inbetriebnahme, Rekonstruktion bzw. Grundinstandsetzung bis hin zur Anwendung einschl. der Instandhaltung, gewährleistet werden. Permanent waren sicherheitstechnische Prüfungen und entsprechende Dokumentationen erforderlich. Hierzu bestanden „Schutzgütekommissionen“.

In den 1960er Jahren erfolgte eine Verknüpfung des Arbeitsschutzes mit der Arbeitsgestaltung. Hinter Arbeitsstudium, Arbeitsgestaltung, Arbeitsnormung – den sog. „Drei AAA“ – stand zunächst insbesondere Normung und ein Anknüpfen an „sowjetische Erfahrungen“, aber der Arbeitsschutz wurde eingeordnet. Die Weiterentwicklung zur WAO kam dann in den 1970er Jahren. Im Kern ging es um vielfältige Aktivitäten zur Kooperation der unterschiedlichen arbeitswissenschaftlichen Disziplinen. Das Arbeitsgesetzbuch von 1977 stellte den engen Zusammenhang zwischen Um- und Neugestaltung von Arbeitssystemen und Arbeitsschutz her. Hiermit verbunden war die Hinwendung des Arbeitsschutzes zu systemhaften Gestaltungen und die Einordnung der Organisation in die Rangfolge der Schutzmaßnahmen.

In der Ingenieurausbildung erfolgte schrittweise die konsequente und verbindliche Einordnung des Arbeitsschutzes.

Erörtert werden zwei Legenden zu diesen Arbeitsschutzinhalten.

Autor:Lutz Wienhold
Bibliographie:In: Sicherheitsingenieur. 43 (2012), Nr. 6, S. 31-43.


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