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Publikation

Zentralistische Planung des Arbeitsschutzes in der DDR. Vorzüge und Bürokratie im Wechselspiel.

Mit dem Arbeitsgesetzbuch (AGB) von 1977 bestand eine prinzipielle Orientierung auf die Einordnung des Arbeitsschutzes in die betriebliche Organisation. Konkrete Vorgaben für die innerbetriebliche Organisation - neben den Festlegungen zum Einsatz von Experten, wie Sicherheitsinspektoren usw. - waren begrenzt auf formale Anforderungen. Geregelt waren die monatlichen Belehrungen, die Führung von Arbeitsschutzkontrollbüchern u. Ä. Entscheidend für die Führung ist aber die komplexe Einordnung des Arbeitsschutzes in betriebliche Strukturen und Prozesse. Dies war in den Betrieben der DDR nur rudimentär und in den strukturellen Grenzen der Dominanz der Produktivität und des Produktionsausstoßes gegeben. Es gab aber hierzu theoretische Konzepte.

Eine spezielle Hauptlinie war die instrumentelle Seite der Einordnung des Arbeitsschutzes in Führung und Planung, einerseits durch die Pflicht zur Einordnung in die betrieblichen Plandokumente mit entsprechenden Anforderungen an Plankennziffern und andererseits durch staatliche Berichterstattung der Betriebe zu ihren bestehenden Gefährdungen an den Arbeitsplätzen.

Forciert wurde die Entwicklung von Methoden, Gefährdungen vorausschauend zu ermitteln und zu bewerten. Die Orientierungen auf Kennzahlen für die betriebliche Planung brachte eine Verstärkung präventiver Zielorientierung im Arbeitsschutz. Es wurden sog. Zustandskennzahlen entwickelt, die als Indikatoren der Verwirklichung des Arbeitsschutzes an die Stelle einseitiger Kennziffernbetrachtungen wie der Unfallquote und der Anzahl der Berufskrankheiten – sog. Wirkungskennzahlen – die Gefährdungssituation an den Arbeitsplätzen charakterisierten. In allen Betrieben waren alle Arbeitsplätze entsprechend mit Kennzahlen zu bewerten. Es gab hierzu eine zentrale Berichterstattung.

Die Wirtschaftspolitik wirkte kontraproduktiv auf den Arbeitsschutz. Letztlich erfolgte eine Unterordnung des Arbeitsschutzes unter Anforderungen an die Produktivität. Viele sozialistischen Betriebsleiter haben entsprechend der zentralen Orientierungen nur den augenblicklichen Vorteil und damit den Plan gesehen, aber konnten nicht an die Menschen denken, die ihn zu erfüllen hatten.

Erörtert werden drei Legenden zu diesen Arbeitsschutzinhalten.

Abschließend wird eine Bilanz zum Arbeitsschutz in der DDR versucht.

Autor:Lutz Wienhold
Bibliographie:In: Sicherheitsingenieur. 43 (2012), Nr. 7, S. 36-47.


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